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17 | 08 | 2017
 



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Argumente der BILaNz gegen den Autobahnzubringer mit Ortsumgehung

» Keine spürbare Entlastung der Auricher Innenstadt
» Zusätzliche Verlärmung weitgehend unberührter Gebiete
» Entlastung der BürgerInnen an Schleichwegen führt zur Neubelastung
» Reaktivierung der Bahnstrecke Aurich-Abelitz entlastet Straßennetz
» Autobahnanbindung kein Muss für Ansiedlung in Aurich
» Autobahnanbindung für Touristen irrelevant
» Mittelostfriesischer Raum für KFZ ausreichend erschlossen
» Jade-Weser-Port hat keine Auswirkungen auf Verkehr in Aurich
» Fakten über Ortsumgehungen
» Downloads
 




Keine spürbare Entlastung der Auricher Innenstadt

Es steht außer Frage, dass die B 210n Verkehr auf sich zieht. Dieser Anteil des Gesamtverkehrs liegt jedoch nur zwischen 10 und 40 Prozent.

Für den überwiegenden Teil der Autofahrer ergibt sich somit kein Nutzen. Sie fahren weiterhin ihre gewohnten Wege. Der aus Egels und Popens kommende Verkehr bleibt beispielsweise gänzlich unverändert.

Dass das Verkehrsaufkommen in starkem Maße durch zwischengemeindliche Verkehrsbeziehungen geprägt ist, zeigt der Anteil des weiträumigen Verkehrs, der Werktags von der A 31 bzw. A 28 kommt: er liegt bei lediglich 15 Prozent auf der B 210.

Unter Berücksichtigung des hohen Ziel- und Quellverkehr ist nicht erkennbar, dass ein Rückbau des innerstädtischen Straßennetzes Aurichs möglich ist. Im Gegenteil: Es sind bereits Verbreiterungen und Straßenneubauten in der Innenstadt geplant.


Zusätzliche Verlärmung weitgehend unberührter Gebiete

Die Lärmverminderung im Stadtkern ist in Anbetracht des hohen Ziel- und Quellverkehrs nicht signifikant. Durch den Verkehr auf Zubringer und Umgehung werden jedoch fast unberührte Landschaften mit hohem Wert für die Erholung der Auricher Bürger zusätzlich verlärmt.


Entlastung der BürgerInnen an Schleichwegen führt zur Neubelastung

Die B 210n mit Umgehung soll den Verkehr zahlreicher Schleichwege auf sich lenken, um so die Anlieger jener Schleichwege zu entlasten.
Die neue Trasse wird jedoch in unmittelbarer Nähe zu zahlreichen dieser Anlieger verlaufen. So kann es z. B. in Haxtum passieren, dass Fahrzeuge, die sonst "vor der Haustür" langfuhren, nun 200 Meter hinter dem heimischen Garten die Ruhe (zer-)stören. Es rollt somit vor und hinter dem Haus der Verkehr. Die gewollte Entlastung führt letztlich also zu einer gravierenden Neubelastung.


Reaktivierung der Bahnstrecke Aurich-Abelitz entlastet Straßennetz

Bei den Planungen zur B 210n wurde die Reaktivierung der Bahnlinie Aurich-Abelitz nicht berücksichtigt!

Allein in den ersten 12 Monaten nach der Reaktivierung der Bahnstrecke Aurich-Abelitz, hat Kerker 80 % der benötigten Rohstoffe
(= 110000 Tonnen Kies und Mineralstoffe) über die Bahn nach Aurich transportiert. 20 % Straßenbaustoffe wurden per Bahn nach Georgsheil gefahren. Durch den Transport per Bahn konnte Kerker 4380 Tonnen von der Straße holen.

Insgesamt konnten Enercon und Kerker 500000 Straßenkilometer einsparen. Das sind bei zwei Zügen täglich 200 LKW.
Das ENERCON-Gusszentrum in Georgsheil beliefert den Produktionsstandort Sandhorst per Bahn mit Komponenten.

Derzeit ist ein Ausbau der Strecke geplant. Mit der geplanten Lademaßvergrößerung wird es ENERCON möglich sein, noch größere Güter auf die Bahn zu verlagern und schneller als derzeit zu transportieren. So spricht Projektleiter Theodor Robbers von einer Verkürzung der Fahrtzeit durch Moordorf von zwanzig Minuten derzeit auf drei Minuten in Zukunft. Man rechnet Ende 2013 mit der Fertigstellung.

Neben dem Gütertransport soll auf der Strecke dann auch stündlich ein Personenzug zwischen Aurich und Emden pendeln. Derzeit nutzt man die Strecke nur bei größeren Veranstaltungen (z. B. Tag der Niedersachsen 2011) als Shuttle-Verbindung vom Hbf Emden nach Aurich und zurück.



Autobahnanbindung kein Muss für Ansiedlung in Aurich

Aurich liegt an der Kreuzung zweier Bundesstraßen, mehrerer Landesstraßen, einer Landeswasserstraße und hat einen Bahnlinie reaktiviert. Aurich floriert, verfügt über zukunftsstarke Betriebe und hat deutlich weniger Arbeitslose als z.B. Essen, Recklinghausen oder Wilhelmshaven – alles Städte mit mindestens einer Autobahn, Umgehungsstraße usw. Wenn das Fehlen eines Autobahnzubringers wirtschaftlich relevant wäre, müssten seit Jahren am laufenden Band Unternehmen abwandern, die Stadt an Einwohnerschwund und Verödung leiden und Arbeitslosenzahlen von über 20 % aufweisen. In jeder Hinsicht ist das Gegenteil der Fall.

Aurich liegt am Rand der Landkarte. Firmen, die unbedingt zentral ansiedeln wollen, bevorzugen von vornherein ganz andere Regionen. Unternehmen, die unbedingt an eine Autobahn wollen, gehen gleich in eines der unzähligen Gewerbegebiete bestehender Autobahnen. Einem Unternehmer aber, der Aurich bevorzugt, kann es nicht darauf ankommen, ob seine Lastwagen 20 oder 26 Minuten zur Autobahn unterwegs sind. Diese Minuten sind nämlich nichts im Vergleich zu den vielen Autostunden Zeitverlust im Autobahn-Verkehrsstau, die in Deutschland alltäglich sind.

Außerdem: In naher Zukunft werden nicht Arbeitsplätze, sondern qualifizierte Arbeitnehmer knapp werden (Alterung der Gesellschaft). Für Unternehmen wird es dann ein ganz wichtiger Standortfaktor sein, ob gute Leute dorthin umziehen wollen. Wohnqualität wird viel wichtiger sein als 5 Minuten mehr oder weniger zur Autobahn. Wenn Aurich dann punkten kann, wird es viele Konkurrenten abhängen.


Autobahnanbindung für Touristen irrelevant

Wer Touristen fragt, warum sie gern nach Ostfriesland kommen, hört als erstes Argument die gute Luft, dann die schöne Landschaft. Mit der Erreichbarkeit Ostfrieslands haben die meisten Touristen kein Problem. Es gibt keine ernsthaften Untersuchungen, die belegen können, dass Touristen weiteren Straßenbau in Ostfriesland wünschen oder gar zur Bedingung für künftige Urlaube erheben. Manche Leserbriefe aus dem Ruhrgebiet lassen das Gegenteil vermuten.

Dazu kommt noch eins: Die Linie A 31 – Aurich ist für Touristenströme unproblematisch. Die Sielorte Hooksiel bis Neuharlingersiel, teilweise auch Bensersiel werden über Wilhelmshaven angefahren. Greetsiel bis Norddeich werden über Emden erreicht. Durch Aurich läuft nur der Verkehr Richtung Neßmersiel- Accumersiel bis Bensersiel (teilweise).


Mittelostfriesischer Raum für KFZ ausreichend erschlossen

Die Infrastruktur mit der B 210 und B 72, die Bahnverbindung Leer-Norddeich, die reaktivierte Bahntrasse Aurich-Abelitz, der Ems-Jade-Kanal sowie die vielen Landes- und Kreisstrassen stellen eine gute Infrastruktur für diesen Raum dar.

Der angebliche Zeitvorteil von 3-4 Minuten zum Erreichen eines Zieles rechtfertigt nicht den Bau einer so gewaltigen Straße auf Kosten der Menschen und der Umwelt.


Jade-Weser-Port hat keine Auswirkungen auf Verkehr in Aurich

Der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven soll ab 2011 jährlich bis zu 2,7 Mio. TEU (TEU: twenty-foot equivalent unit = 20-ft-container) umschlagen.

Die Verteilung der Container (Modal Split) sieht nach offiziellen Angaben von Eurogate wie folgt aus: Zu 55 Prozent wird die ankommende Ladung auf kleinere Feeder-Schiffe verladen,welche Häfen im Norden und Osten Europas ansteuern. Zu je 22,5 Prozent werden die Container auf Straße und Bahn verlagert.

Die Zielregionen der Güter liegen im Nordosten (Skandinavien, Baltikum und Russland) und Süden Europas. Ein Anstieg der Containertransporte im Auricher Raum ist allein deshalb schon nicht zu erwarten.

Auch der potentielle Verkehr aus dem Ruhrgebiet in Richtung JWP wird nicht über Aurich fließen!

Dafür spricht zunächst, dass das Ruhrgebiet für Containerverkehre über den Rhein konkurrenzlos an die Westhäfen angeschlossen ist und daher kein Zielgebiet für den JWP darstellt.

Doch selbst wenn es zu einem Güterstrom vom Ruhrgebiet nach Wilhelmshaven käme, würde dieser die Routen
A 29 + A 1 + A 43 + A 52 + B 224 + E 34 (ca. 283 km, Fahrzeit: 2 Std 35Min.)
und A 29 + L 815 + K 124 + A28 + A31 (ca. 285 km, Fahrzeit: 2 Std 43 Min.) benutzen, jedoch nicht über Aurich fahren,
da die Strecke A 29 + B 210 + B 210n + A 31 insges. 297 km lang ist und ca. 3 Std. Fahrzeit benötigt.

Bei einer Informationsveranstaltung zur B 210n am 26.01.2012 bestätigte Frank Buchholz, Leiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, dass die geplante B 210n keinen Nutzen für den Jade-Weser-Port habe.



Fakten über Ortsumgehungen

Der BUND veröffentlichte 2005 eine Studie, welche die Wirksamkeit von Ortsumgehungen untersuchte. Zusammengefasst sind nun hier die fünf wichtigsten Aussagen dieser Studie. Die Studie können Sie weiter unten als PDF downloaden.


Lärmsenkung durch Ortsumgehungen


Der lärmmäßigen Entlastung der Ortsdurchfahrten steht eine Neuverlärmung durch die Ortsumgehung gegenüber. Eine Ortsumgehung verringert generell die Anzahl der wesentlich Verlärmten an der Ortsdurchfahrt, allerdings nicht mehr als 10 bis 20 %.

Wird die Neuverlärmung durch die Ortsumgehung mit einbezogen, so bleibt das Ergebnis nur dann und auf ungünstigerem Niveau positiv, wenn die der Ortsumgehung zugewandte Ortsrandbebauung wesentlich geringer ist als an der Ortsdurchfahrt.


Die Schadstoffbilanz

In den Ortsdruchfahrten vermindert sich die Belastung erheblich, während die Gesamtemission an Ortsdurchfahrt und Ortsumgehung für CO gerade noch eine geringe Reduzierung erwarten lässt, für NOx aber eine beträchtliche Zunahme, da mit zunehmender Geschwindigkeit der Ausstoß von Stickoxiden anwächst.


Unterschätzter Binnenverkehr

Die Anteile des überörtlichen Durchgangsverkehrs an der Verkehrsbelastung in den Zentren sind niedriger als zunächst von den Baulastträgern und Kommunen angenommen wurde. Sie liegen an den Querschnitten in den untersuchten Innenstädten absolut bei 900 bis 6900 KFZ/Tag und relativ zwischen 4 % und 34 %.

In der Praxis können Ortsumfahrungen nur einen Teil des Durchgangsverkehrs aufnehmen. Dieser liegt bei durchschnittlich 8 %.


Verkehrssicherheit

Die Ortsumgehungen haben für die Ortsdurchfahrten eine starke Entlastung in Bezug auf das Unfallgeschehen gebracht.
Die Unfallentwicklung auf den Ortsumgehungen ist demgegenüber jedoch derart negativ, dass ein Gesamtvergleich keinerlei positive Ergebnisse mehr zeigt. Es wurde zudem eine deutliche Steigerung von Unfällen mit Schwerverletzten und Toten registriert.


Naturschutz

In Bezug auf Naturschutz zerschneidet die neue Straße Landschaften und zerstört Lebensräume. Der Austausch von Arten wird gestört, die Überlebensfähigkeit von Populationen geschwächt.

Gerade siedlungsnahe Natur ist ein wichtiger Naherholungsraum für die Bevölkerung und erfüllt wichtige Funktionen für das Stadtklima.



Downloads


Datei öffnen Fakten über Ortsumfahrungen [ 75.59 kb ]
Datei öffnen BUND-Schwarzbuch zum Fernstraßenbau in Deutschland [ 492.12 kb ]


 
 
 
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Letzte Aktualisierung: 30.03.2016
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